Hans-Joachim Staude

 Port-au-Prince, Haiti  1904 – Florenz 1973

Selbstbildnis, 1951
Öl auf Pappe, 43 x 48 cm

Der deutsche Maler Hans-Joachim Staude ist einer der interessantesten (und in gewissem Sinne “exzentrischsten”) seiner Generation.
Aber sein Werk ist, auch in Italien, wo er fast ein Leben lang in Florenz gewohnt und gearbeitet hat, noch nicht so bekannt wie es sein sollte. Es fehlt eine genauere kritische Untersuchung seiner engen Beziehung zur italienischen Malerei des 20. Jahrhunderts, von Ardengo Soffici bis Felice Carena, im Rahmen des modernen Klassizismus der europäischen Kunst zwischen den Weltkriegen – einer tiefgreifenden Beziehung, die den Künstler zu einem der “italienischsten” unter den deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts macht.
Geboren als Sohn deutscher Eltern in Port-au-Price (Haiti), bildet sich Staude in Hamburg, wo er 1918 die erste große Munch-Ausstellung sieht. Gleich danach tritt er in Verbindung mit dem deutschen Expressionismus der “Brücke”, insbesondere mit Karl Schmidt-Rottluff. Seine Suche ist in dieser Zeit durch starke Innerlichkeit und philosophische Inspiration gekennzeichnet.
Im Jahre 1920 beschließt er sich ganz der Malerei zu widmen, 1922 wendet er sich vom Expressionismus ab. 1925 begibt er sich von Hamburg nach Florenz und verbringt die folgenden Jahre in dieser Stadt, dann wieder in Hamburg und in Paris. 1929 lässt er sich endgültig in Florenz nieder und nähert sich der italienischen “Klassischen Moderne“ der 1920er und 1930er Jahre.
In dieser frühen Florentiner Zeit entstehen Figuren von intensiver Plastizität, fast gemeißelt eher als gemalt; eine Reihe in klassischer Manier ausgeführter Landschaften, die das dem Impressionismus eigene Gefühl des Augenblicks überwinden und aus dem Fluss der Zeit heraustreten; eine Reihe von Stillleben, in denen Staudes deutsche Kultur mit symbolischen Motiven des Vergänglichen und des Todes hervorscheint. Typisch für den Künstler ist eine verinnerlichte, doch intensive Farbe mit elegischen und lyrischen Wertigkeiten. Seine wenn auch überwundenen, expressionistischen Wurzeln lassen seine Bilder anders und in mancher Hinsicht einzigartig erscheinen in jener Epoche, in der sonst der Zeichnung größere Aufmerksamkeit galt als der Farbe.
Auch nach dem Krieg verfolgt Staude seinen Weg mit großer Konsequenz; er lässt nicht ab von seinen figürlichen Fragestellungen, ohne Konzessionen an informelle und abstrakte Kunst. Dennoch spürt man in seinen Kompositionen einen immer stärkeren Drang zum Wesentlichen, während die Farbe immer wärmer und diskret leuchtender wird.

Francesco Poli, Elena Pontiggia

Ein Blick auf den Leuchtturm von San Giorgio Maggiore
und den Ort der Veranstaltung
in den Räumen der Fondazione Cini
Pastell auf Papier, 1971

Fondazione Giorgio Cini

Isola di San Giorgio Maggiore, Venedig

"Hans-Joachim Staude und die Kunst des italienischen Novecento"

Ausstellung (18.-22. November 2015) und wissenschaftliche Tagung (18.-19. November 2015)

Leitung: Francesco Poli und Elena Pontiggia

Während in neuerer Zeit der “Rückkehr zur Ordnung”, der Staude, wenn auch auf autonome und spezifische Art, nahe stand, verstärktes Interesse gilt, wurde sein Werk noch nicht in den Kreis dieser Studien mit einbezogen. Und dies ist gewiss ein Verlust, nicht nur für die rechte Würdigung von Staudes Werk, sondern auch für die Erfassung des gesamten Panoramas der Epoche.
Mit der hier vorgestellten Retrospektive beabsichtigen die Kuratoren Francesco Poli und Elena Pontiggia auch diesen Aspekt zu erforschen und den Künstler besser in seine Zeit einzuordnen. Mit Bezug auf die früheren Ausstellungen – insbesondere auf die sehr bedeutende im Palazzo Pitti in Florenz (1996) werden etwa 26 Bilder unter den wichtigsten der verschiedenen Epochen seines Schaffens ausgestellt, wobei die Analyse seines künstlerischen Ausdrucks vertieft und sein theoretischer und kultureller Hintergrund durch seine bisher unveröffentlichten Schriften und Zeugnisse dokumentiert werden.
Wesentlich ergänzt wird die Ausstellung durch eine wissenschaftliche Tagung, an der sich die wichtigsten Kenner der Epoche beteiligen werden.

Katalog der Ausstellung, Programm der Tagung und andere Materialien sind als hier als downloads verfügbar:

 

Pressebereich


Ein Projekt in Zusammenarbeit mit:

Wir danken:
dem Deutschen Generalkonsulat Mailand,
der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Rudolf Augstein Stiftung,
der Martha Pulvermacher Stiftung und der Fondazione Zoé (Zambon Open Education)
für ihre großzügige Unterstützung dieses Projekts.